Die Digitaldruckbranche beim fogra-Symposium

Draußen herrschte die größte Sommerhitze des Jahres in München, drinnen im Munich City Centre traf sich die Digitaldruckbranche zum fogra Symposium Digitaldruck trifft Offset. Ausgewiesene Praktiker und anerkannte Experten aus Forschung und Herstellung stellten aktuelle Trends vor. Ein echter Kracher kam dabei von der Bildzeitung, die Ihre Ausgaben in Deutschland mit individuellen Inhalten aufwerten will.

Erstmals als Referent dabei war Josef Frick von der Online-Druckerei , der in diesem Bericht die Neuheiten aus seiner Sicht vorstellt und bewertet (unter anderem Karten mit Golddruck). Den Einstieg brachte Dr. Andreas Kraushaar von der Fogra Forschungsgesellschaft Druck e.V., der jetzt mit Doktortitel seine Themen ebenso plastisch und locker den 125 Teilnehmern vermittelte. Es ging dabei um Neuheiten bei der Umsetzung des „ProzessStandard Digitaldruck“ (PSD). Im Digitaldruck ist die Einführung eines herstellerübergreifenden Regelwerks zur Erreichung einer vorhersagbaren Druckqualität eine Mammutaufgabe. Während sich im Offsetverfahren alles im wohlgeordneten CMYM-Farbraum abspielt, geben private Auftraggeber ihre Druckaufträge für Einladungskarten oder Poster gerne im RGB-Farbraum ab. Die Kunst liegt nun darin, bei der Reduzierung der Farben in den kleineren Druckfarbraum das subjektive Empfinden den durchschnittlichen Betrachters einfließen zu lassen.

Jochen Günther von ColorService & Vertrieb überzeugte als Farbfachmann mit dem entsprechenden Wissen. In interessanten Gesprächen während der Kaffeepausen verriet er schon mal, dass es auf die Farbe Blau sehr stark ankommen würde. Diese Einschätzung deckt sich mit der Beobachtung in der Online-Druckerei des Artikelschreibers, in der die Farberfahrung von Kodak beim Digitaldruck ein ähnliches Bild zeigt. Völlig vernünftig wenn auch nicht unumstritten war die Meinung von Dr. Kraushaar und Günther, dass man um eine medienrelative Farbbetrachtung nicht herumkommen würde. Dabei werden beispielsweise ein Digitaldruck und ein Großformatbanner nacheinander betrachtet und aus der Erinnerung auf Farbübereinstimmung bewertet. Eine wirklich identische Farbe ist dabei weder möglich noch notwendig, um das Gefühl einer identischen Farbwirkung zu erzeugen. Kunden und Dienstleister einigen sich dabei im Vorfeld, ob auf eine Side-by-Side-Betrachtung verzichtet werden kann und vereinbaren eine medienrelative Bewertung.

Frans Gaykema von Océ-Technologies B.V. zeigte interessante Einblicke, wie die Hersteller von Tintensystemen das Wahrnehmungsverhalten des menschlichen Auges ergründen und technische Parameter des Drucks darauf optimieren, um ein angenehmes Seherlebnis zu ermöglichen.

Florian Süßl von zipcon consulting berlin GmbH arbeitet an technischen Richtlinien für die Abnahme von Digitaldrucksystemen. Was im Offsetverfahren längst gängige Praxis ist, soll nun auch im Digitaldruck insbesondere beim Kauf von größeren Anlagen möglich werden. Grundlage für die Bewertung eines Drucksystems sollen dabei messbare drucktechnische Parameter bei der installierten Maschine beim Kunden sein. Eine Abnahme von Maschinen direkt beim Hersteller könne sich Süßl dabei nur bei kleineren Systemen vorstellen, was auch die Erfahrung des Autors darstellt. Nichts ändert sich so schnell wie ein Digitaldrucksystem. Daher sollte wirklich der Test nach definierten Parametern bei der Kundenmaschine erfolgen.

Ein heißes Eisen schmiedete Alexander Schiller von der fogra. Er gilt als hauseigener Experte für die Rezyklierbarkeit bzw. Entfärbbarkeit von Inkjetdrucken. Die komplette Branche erwartet einen starke Zunahme dieses Druckverfahren, das momentan um die Erreichung einer offsetähnlichen Qualität kämpft. Momentan gelten Tintendrucke mit Ausnahme von Fuji-Bogensystemen und der Xerox CiPress als sehr problematisch, was die Wiederverwertung für den Altpapierkreislauf anbelangt. Schiller zeigte dabei auf Basis von Entfärbbarkeitsuntersuchungen einige Lichtblicke oder Ansätze, wie das Kunststück des Trennens von Papier und Farbe gelingen könnte. Er stellte einen starken Zusammenhang zum verwendeten Rohpapier fest und weniger vom Drucksystem und der Tinte.

Der Mondi-Papierwissenschaftler Gerhard Drexler stellte einen Zusammenhang seiner vermehrt auftretenden grauen Haare mit der starken Befassung exakt mit diesem Thema her. Sorge würden ihm die extrem vielen verschiedenen Tintensorten bereiten, die bei den Herstellern eingesetzt würden. Ein Standard sein nicht in Sicht. Unbehandeltes Naturpapier wie Zeitungspapier und wasserbasierende Tinten seinen ein Problem für die Recyclingfähigkeit.

Dr. Markus Kleebauer von der Papiertechnischen Stiftung (PTS) zeigte einen Hoffnungsschimmer, was die Verbesserung der Bedruckbarkeit gestrichener Papiere bei gleichzeitigem Einsatz im Offset- und Inkjetdruck anbelangt. Im Prinzip wird dabei nicht auf Papier gedruckt, sondern auf den Papierstrich. So berichtete er vom Entwicklungsstand eines Papiers mit einem hohen Porenvolumen, das die Druckerfarbe oder die Tinte aufnehmen würde. Pigmenttinten hätten dabei wesentliche Vorteile was die Deinkbarkeit anbelangen würde. Das Hybridpapier würde teurer werden als ein Offsetpapier, aber doch wesentlich günstiger als die bisher im Markt befindliche Sorte. Spezifizierungen und eigene Test seinen unumgänglich.

Wieland Schwarz von Fujifilm Europa GmbH beeindruckte das Auditorium und auch seine Kollegen aus der Inkjetzunft in Einzelgesprächen am Rande. Er berichtete über ein ausgeklügeltes Verfahren für die Vermeidung von Streifen im Inkjet-Produktionsdruck. Er zeigte Muster von Drucken auf gestrichenem Offsetpapier – allerdings geprimert – mit unglaublicher makelloser Qualität. Wie dieses Verfahren für ein vergleichsweise langsames Bogensystem auf die extrem schnellen Rollensysteme 1:1 übertragen werden kann, dürfte noch ein steiniger Weg werden.

Auf die Details der Tintendrucktechnologien ging Dr. Andreas Paul von der Canon Deutschland GmbH ein. Er zeigte Anwendungsgebiete für die verschiedenen Digitaldrucktechnologien des Commercial Printing. Im Bereich des Digitaldrucks sah er das größte Wachstumspotential beim Inkjet-Druck. Besonders wachstumsträchtig erschien ihm der Verpackungsdruck. Angesprochen auf Neuentwicklungen im Flüssigtoner-Digitaldruck, wollte er nur so viel sagen, dass man schnellere Systeme mit niedrigeren Kosten erwarten könne. Über diese Neuigkeit freute sich der Autor besonders.

Christoph Näpelt von der PIER18 Unternehmensberatung zeigte sich als erfahrener Kenner des Feldes Direktmailing, Direktmarketing und Dialogmarketing. Er berichtete über Success-Storys aus dem Wachstumsmarkt Digitaldruck. Die Verbindung von Dialogmarketing und Digitaldruck biete überdurchschnittliche Wachstumspotentiale für das Druckgewerbe. Voraussetzung seien dabei allerdings starke Kundenbeziehungen und tiefe Kenntnisse der Kundenbedürfnisse.

Markus Röper von der Heidelberger Druckmaschinen AG zeigte eine Anwendung für eine Offsetmaschine mit integrierter Inkjeteinheit. Natürlich könne man damit individualisieren aber auch Anwendungen fahren, bei denen der Inkjet möglichst nicht benötigt wird. Inkjet kann im Offsetdruck auch als Qualitätsinstrument eingesetzt werden, wenn beispielsweise perfekte Pharmaverpackungen geliefert werden müssen und kleinste Fehler auszusortieren sind. Die Inkjet-Köpfe übernehmen dabei kameragesteuert die Markierung fehlerhafter Nutzen auf den Rohbogen und machen dabei einen Strichcode unleserlich.

Höchst unterhaltend und spannend gestaltete sich ein Vortrag von Tobias Kuhn, Axel Springer Verlag und Michael Buschky, Kodak Graphic Communications GmbH. Welch eine unerwartete Botschaft. Die Bildzeitung wird in Zukunft deutschlandweit individualisiert. Jede Bild erhält dabei Inhalte, die es je Blatt nur 1x gibt. Zum Start wird es sich dabei um Gewinnspiele handeln. Entsprechende Tests waren sehr erfolgreich, so dass jetzt insgesamt 14 Druckereien zur Freude von Kodak mit Hochleistungs-Inkjet-Druckköpfen nachgerüstet werden. Dabei wird in voller Produktionsgeschwindigkeit von bis zu 900 Metern pro Minuten in jede Bild Glückszahlen eingedruckt. Interessanterweise werden diese Zahlen nur im Innenteil vorkommen, so dass von außen keine Zahlen sichtbar sind. Hier kann man also sagen, dass Digitaldruck sehr befruchtend für den Offsetdruck wirken kann.

Was es alles gibt: Eine Druckerei ganz hoch oben im Norden, die mit dem Wind druckt. Energie liefert dabei ein eigenes Windrad, Abwasser wird über eine eigene Pflanzenkläranlage gesäubert. Selbst die Heizung wird mit Energie 100 Meter tief unter der Druckerei gewonnen. Bernd-Christian Pfennig betreibt mit Quint ein Druckerei, die real klimaneutral druckt und das mitten im Grünen.

Manuel Christel von der IMBC GmbH lotste die Zuhörer durch den Dschungel der vielen Fördermöglichkeiten, wenn eine Druckerei in Richtung Umweltschutz und Energieeinsparung investieren will. Ohne fachliche Hilfe geht wohl nichts.

Maximilian Ondrusch von der fogra stellte Bewertungsmöglichkeiten der Energieeffizienz von Offset- und Digitaldruckereien in den Vordergrund. Grundlage allen Handels in diesem Selbstfindungsweg sei die Analyse des Istzustandes. Der Autor stimmt diesen Referenten zu, hatte er doch schon selber Gelegenheit, an einem entsprechenden staatlich geförderten Programm teilzunehmen. Die daraus gewonnen Erkenntnisse waren sehr präzise Handlungsanweisungen für konkrete Maßnahmen. Man erhält genaue Berechnungen, wann sich welche Maßnahmen amortisieren. Umweltschutz kann sich also auch lohnen.

Max Andelshauser von Ricoh zeigte auf Basis profunder Daten, dass sich Inkjetdruck auch ohne Individualsierung bei einer 3000er Buchauflage lohnen kann. Immerhin hätten fast 80% aller Buchjobs eine Auflagenhöhe unter 5000 Exemplaren. Natürlich sei die Qualität des Inkjetdrucks noch auf dem Weg nach oben. Aber immer öfter ergeben sich Konstellationen, die für den Inkjetdruck bereits heute sprechen.

Dr. Roland Reichenberger von der Koenig & Bauer AG ließ keinen Zweifel daran, dass sich der Offsetdruck einen gehörigen Anteil aus dem wachsenden Kleinauflagenmarkt holen werde und zwar per Offsetdruck. So seien die Rüstzeiten für eine neue Druckform auf fünf Minuten geschrumpft, so dass jederzeit wirtschaftlich auch die Kleinauflage gedruckt werden könne. Voraussetzung sei allerdings eine industrielle Struktur der Druckerei. Diese müsse in der Lage sein, die Maschine ohne Unterbrechung mit Jobs und entsprechend bereitliegenden Druckplatten zu versorgen. Atemberaubend war die Botschaft von Drucksystemen, die beim Plattenwechsel nicht mehr stoppen würden. So seien die Drucktürme doppelt ausgelegt. Während ein Turm in fünf Minuten 1000 Bögen drucken würde, können die anderen Türme parallel gerüstet werden. Puh, die Jungs machen wirklich ernst und bringen Technologien, die die Digitaldruckhersteller möglicherweise noch gar nicht so richtig realisiert haben. Deutschland ist in einer Vorreiterrolle, was Effektivität bedeutet.

Wie überzeugt ein Online-Drucker seine Kunden? Steffan Setzer von Laserline Digitales Druckzentrum Bucec & Co. Berlin KG berichtet, wie die Haptik einen entscheidenden Mehrwert zur digitalen Kommunikationswelt darstellen würde. Anhand von sehr aufwändig gestalteten Musterbüchern, der Blackbox und der Whitebox, können Kunden auf Erlebnisreise gehen. Neue Materialien können auf diese Weise haptisch erlebt werden. Laserline ist eine der ersten Online-Druckereien und nun 15 Jahre online. Neu im Sortiment sei nun Werbetechnik, die nicht nur für professionelle Werbeeinkäufer bestimmt ist, sondern auch für Endkunden. Die Musterbücher seinen ein Garant für ein stimmiges Druckergebnis.

Nun war der Autor dieser Zeilen an der Reihe, Josef Frick von Frick Kreativbüro & Online-Druckerei e.K. Als Inhaber einer Online-Digitaldruckerei thematisierte er das Vorhaben der Online-Offsetwettbewerber, massiv Kleinauflagen zu drucken. Anhand von Musterrechnungen zeigte er die ungeheure Abfallmenge beim Druck von Kleinstauflagen im Offsetverfahren. So würden bei 250 Bücher A4, 4/4farbig mit 160 Seiten etwa 200 kg Altpapier als Anlaufmakulatur anfallen, 2 bis 3 kg Druckerfarbe und 84 Druckplatten aus Aluminium. In seinem Digitaldruckbetrieb würden nur 5 Bücher mehr gedruckt. Er zeigte produktionstechnische Verfahren, wie in sehr effizienter weise die Vorteile des Digitaldrucks in der Druckweiterverarbeitung zur Geltung kommen würden, wie beispielsweise bei der Fadenheftung von Bücher bis 1000 Seiten Umfang in Auflage 1. Digitaldruck sei im Kleinauflagenbereich extrem ressourcenschonend. Als kleines Highlight wurden die ersten Testdrucke im Sonderfarbe Gold präsentiert. Der Golddruck würde in kürze online gehen, auch für den Online-Designer. Die Goldpartikel seinen übrigens metallfrei.

Auf der Drupa war die Nanography das Top-Thema, auf dem fogra-Symposium zeigte Gilad Tzori, VP Product Strategy von Landa Digital Printing den Stand der Dinge. Man erfuhr einige Details welche Maschinengrößen als ersten in den Markt gehen würden. Die Maschinenoptik wirkt nun noch mehr durchgestylt, man sah auf dem Beamer auch ein streifenfreies Bild. Auf einen schönen Landa-Druck im Original wartete man jedoch vergeblich. Die Präsentation sei den vorgemerkten Kunden vorbehalten. Schade.

Thomas Meurers vom Ring Grafischer Fachhändler GmbH entführte in die Welt des 3D-Drucks. Er zeigte konkrete Modelle und die verschiedenen Verfahren, wie diese hergestellt würden. Sehr effektiv und mit geringem Materialeinsatz sei der 3D-Druck mit ganz normalem A4-Papier möglich. Dabei werden Einzelblätter automatisiert verklebt und per Schleppmesser zugeschnitten. Bis zu 1500 Blatt übereinander können dabei geschichtet werden. Mit anderen 3D-Techniken können Originalnachahmungen in Meterhöhe hergestellt werden. 3D-Druck war ein schöner optischer Abschluss der gelungenen fogra-Veranstaltung.