Die Tücken von Offsetpapiersorten im Digitaldruck

Die meisten Drucksachen werden im Offsetdruck hergestellt. Moderne Druckmaschinen arbeiten unglaublich schnell, so dass die Druckkapazitäten die Nachfrage bei weitem übersteigt. Die logische Folge ist ein harter Preiswettbewerb. Der Digitaldruck versucht, möglichst viel Druckvolumen im unteren Auflagenbereich für sich zu beanspruchen. Die Offsetdrucker halten mit immer kürzeren Rüstzeiten dagegen. Die Kunden profitieren durch günstige Preise und immer schnellere Lieferzeiten bei Digitaldruck-Aufträgen.

Der Herstellungspreis eines digital gedruckten Werbemittels ist relativ einfach zu berechnen. Neben den Fixkosten für die Druckmaschine und für den Druckmitarbeiter schlagen variable Kosten für den Toner und die Verschleißteile zu Buche. Ein wesentlicher Kostenblock ist das Papier. Da Offsetpapier sehr preiswert verfügbar ist, sind nun die Digitaldrucker versucht, auf günstiges Digitaldruckpapier ihre Flyer, Faltblätter, Broschüren und Bücher zu drucken.

Je nach Maschinentyp gelingt der Einsatz von günstigem Offsetpapier mehr oder weniger gut. Für die HP-Indigo-Drucksysteme gibt es im Markt die mit Abstand größte Auswahl an zertifizierten Papiersorten. Im Prinzip wird Offsetpapier verwendet, das für den Indigo-Digitaldruck mit einem Primer aufbereitet wird. Die Papieroberfläche wird so ausgestattet, dass der Flüssigtoner sich gut mit der Papieroberfläche verbindet. Unbehandelte Offsetpapiere können bedruckt werden. Der Hersteller garantiert aber keine einwandfreie Farbhaftung und empfiehlt zertifizierte Papiersorten, die von allen Großhändlern vertrieben werden. Eine Tücke beim Indigo-Druck liegt in der Bauart dieser Drucksysteme begründet. Für einen 4-farbigen Druck läuft der Druckbogen viermal um den Druckzylinder. Je schneller die Druckzylinder rotieren, desto besser muss die Laufrichtung des Papiers an diesen physikalischen Vorgang angepasst sein. HP empfiehlt die Verwendung von Schmalbahn-Papier bis 170 g/m² und die Verwendung von Breitbahnpapier ab 200 g/m². Die Laufrichtung des Papiers leitet sich von der Laufrichtung der nassen Papierbahn bei der Papierherstellung ab. Durch die hohe Geschwindigkeit ordnen sich die Papierfasern parallel zur Laufrichtung der Papierrolle an. Aus dieser Rolle werden die querformatigen Druckbogen parallel zur Laufrichtung (BB) oder quer zur Laufrichtung (SB) der Papierbahn heraus geschnitten.

Diese Einschränkung ist beim Druck von Broschüren und Büchern im Format DIN-A4 bei deutschen Qualitätsansprüchen an eine Buchbindung unglücklich. Einige Papierhersteller bieten nun auch Breitbahnpapier in niedrigen Grammaturen für die Indigo-Drucker an. Bei Problemen mit der Laufeigenschaft liegt das Risiko beim Digitaldrucker selber.

Bei laserbasierten Digitaldrucksystemen wie die iGen4 von Xerox und Nexpress von Kodak bestehen keine Einschränkungen der Hersteller bezüglich der Laufrichtung der Papiersorten. Der Papierweg ist einigermaßen gerade, so dass höchstens bei sehr dünnen Grammaturen in Breitbahn Herausforderungen auftreten können. Die Hersteller empfehlen grundsätzlich kein speziell aufbereitetes Digitaldruckpapier, wenn auch die perfekte Druckqualität mit einem Digitaldruckpapier zu erreichen ist. Die Online-Druckerei mit Schwerpunkt Digitaldruck setzt laserbasierende Digitaldruckmaschinen ein.

Im Digitaldruck wird die Farbe über elektrische Spannungen übertragen. Ein wesentliches Qualitätskriterium ist bei diesem Vorgang die elektrische Leitfähigkeit des Papiers. Beim Offsetdruck spielt die elektrische Leitfähigkeit des Papiers keine Rolle. Eigentlich sind Offsetpapiere und Digitaldruck inkompatibel. Durch den stark wachsenden Marktanteil des Digitaldrucks haben sich aber die Papierhersteller entschlossen, bei Offsetpapiersorten auch die Belange des Digitaldrucks so gut wie möglich zu berücksichtigen. Aus diesem Grund sind die professionellen laserbasierten Digitaldrucksysteme in der Lage, unbehandelte Offsetqualitäten einwandfrei zu bedrucken. Selbst strukturierte Papiere lassen sind sauber bedrucken. Die Hersteller setzen dazu intelligente Technologien ein, wie der feine Toner vor der Fixierung in die Papiervertiefungen transportiert werden kann.

Durch eine weiterentwickelte Technik können mit Laser-Digitaldruck-Maschinen fast alle hitzefesten Papiersorten gut bedruckt werden. In Ausnahmefällen ist die Zusammenarbeit die gemeinsame Problemlösung der Hersteller und der Papiermühlen notwendig. Eine Veränderung der Papierrezeptur kann bewirken, dass die Papiersorte neu am Drucksystem eingemessen werden muss. Schlimmstenfalls muss die Papiermühle die Veränderung der Rezeptur überdenken, wenn weiterhin Digitaldrucker beliefert werden sollen.