Sind Digitaldrucke Sondermüll?

Die jüngste Empfehlung der digicom, der Interessengemeinschaft Digitaldruck, an seine Mitglieder hat es in sich. Nachdem in einer Recyclinganlage durch deinkte Tinte 140 Tonnen verunreinigte Papierpulle entstanden sind, sollten zukünftig solche Pannen vermieden werden. Der Ratschlag: Digitaldrucke auf Tintenbasis sollte zur Verwertung von Mischpapier gegeben werden, also für die Herstellung von brauner Wellpappenrohware. Diese Empfehlung gelte für die Entsorgung von unüblich großen Mengen Flüssigtoner-Makulatur.

Muss man sich nun Gedanken machen, dass Digitaldruckäbfälle problematisch sind und unter Umständen nicht ins Altpapier gehören? Bei der Online-Druckerei der Frick Werbeagentur Online-Druckerei tritt dieses Problem jedenfalls nicht auf. Es fallen zwar monatlich viele Tonnen Restpapier aus Zuschnitten an, doch problematische Tinten enthalten diese Reste nicht. Über 99% des Altpapiers enthält Digitaldrucke auf Tonerbasis, der sogar zum großen Teil im Lebensmittelbereich unbedenklich eingesetzt werden kann. “Unser Altpapier ist echt”, versichert Firmenchef Josef Frick. Sogar Hochglanzlacke werden auf Tonerbasis hergestellt. Die Farbe kann sehr gut vom Papierträger gelöst werden. Die Deinkbarkeit ist ausgezeichnet.

Problematisch sind mit Folien cellophanierte Drucke. Diese werden vom Papierabfall strikt getrennt und wandern in den Restmüll. Diese Mischung aus Kunststoff-Folie und Papier kann nicht mehr in den Papierkreislauf zurückgeführt werden. Der Anteil an der Gesamtproduktion ist jedoch verschwindend gering. Daher ist die Entsorgung von Abfallbögen über den Restmüll vertretbar. Cellophanierte Druckprodukte wie Gastronomiekarten sind für den langfristigen Einsatz gedacht. Somit ist auch für den Kunden die Verwendung von folienkaschierten Produkten nachvollziehbar, weil die Lebensdauer von Karten wesentlich erhöht wird.

Nachtrag: Die INGEDE ist das führende Gremium in Europa, das sich mit der Wiederverwertung von bereits bedrucktem Papier befasst. Bisher was das Restpapier von Inkjet-Drucken unkritisch, weil der Anteil an der gesamten Papiermenge unter 2,5 % lag. Insbesondere die hochvolumigen Tintenrollen sorgen dafür, dass der Anfall an Altpapier mit Tinten oder Indigo-Farben über diese kritische Grenze steigt. Nun herrscht eine gewisse Alarmstimmung bei den Recyclingbetrieben. Es gibt nun Bestrebungen für neue Deinging-Verfahren, damit auch ein Anteil von 5 % zu einwandfreiem Recyclingpapier verarbeitet werden kann. Das Problem liegt darin, dass nur sehr wenige Betriebe in Europa dazu in der Lage sind und dass sich die Kosten der Trennung von der Farbe vom Papier erhöhen. Aktuell schaltet sich auch die fogra in die Diskussion ein und zeigt Wege, wie die Recyclingfähigkeit von kritischem Altpapier verbessert werden kann.