Vom Gamedesign zum Postkarten-Kalender

Wie der schwäbische Comic-Künstler Jo Lott zum freien Illustrator wurde – und welche Motive in seinem Postkarten-Kalender enthalten sind.

 

Comic-Zeichner Jo Lott zeigt seinen Postkarten-Kalender "Lieblingsalben".

Comic-Zeichner Jo Lott zeigt seinen Postkarten-Kalender „Lieblingsalben“.

 

„Als kreativer Mensch hat man Ideen im Kopf, die irgendwie raus wollen. Manche drehen Filme, andere machen Musik. Ich hatte halt ein Talent zum zeichnen“, erklärt Johannes Lott. Dabei wäre auch gerne Musiker geworden. „Leider habe ich beim Musizieren aber nie das Niveau erreicht, das meinen eigenen Ansprüchen genügt“, gibt er lachend zu. Ein Glück, denn so hat der 28jährige Comic-Künstler zu seiner wahren Bestimmung gefunden.

 

In seinem Comic "Hurray Hurray le Quiche"erzählt Jo Lott die Geschichte einer Nachwuchsband aus der schwäbischen Provinz.

In seinem Comic „Hurray Hurray le Quiche“erzählt Jo Lott die Geschichte einer Nachwuchsband aus der schwäbischen Provinz.

Werben, zocken, zeichnen

Nach dem Abi studiert er Mediendesign in Ravensburg . Anschließend arbeitet er für zwei große Werbeagenturen in Stuttgart. „Das war nicht so meine Welt“, kommentiert er trocken. Wer die Arbeiten des Comic-Künstlers kennt, weiß, dass die Werbebranche tatsächlich weniger zu ihm passt. Bis heute beschäftigen sich viele seiner Arbeiten mit phantastischen Themen. Nach seinem Ausflug in die Stuttgarter Werbewelt zieht es ihn nach Hamburg, wo er für die bekannte Spiele-Schmiede Daedalic Entertainment tätig ist. In dieser Zeit steuert er unter anderem Illustrationen und Animationen für mehrere Teile des Computerspieles „Deponia“ bei. „Viele Comicleute sind im Gamesbereich unterwegs“, stellt Jo fest. Bei Daedalic lernt er unter anderem die erfolgreiche deutsche Comic-Künstlerin Johanna „Schlogger“ Baumann kennen. Ihren Sprung in die Selbständigkeit nimmt er zum Vorbild und wagt den selben Schritt.

 

Geschichten aus der alten Heimat

„Das schönste an meinem Beruf ist: Je nach Briefing kannst Du immer wieder für ein paar Wochen oder Monate was komplett neues ausprobieren“, freut sich der Wahl-Hamburger über seine Entscheidung. Tatsächlich ist sein Portfolio sehr vielseitig. 2017 war für den im schwäbischen Arnach (bei Ravensburg) aufgewachsenen Zeichner ein produktives Jahr. Beim Jaja-Verlag veröffentlicht er zwei Bände. Zunächst erscheint im Mai mit „Der Nachtrugeler“ eine lokale Sage aus seiner schwäbischen Heimatgemeinde Arnach. Das Kinderbuch enthält nur wenig Text, dafür aber kindgerechte üppige Illustrationen. Besonders schön fällt in dem quadratischen 24-Seiten-Werk das Handlettering aus. Niemand geringeres als seine Freundin zeichnet dafür verantwortlich. „Sie hat die schönere Schrift“, räumt er grinsend ein, und erinnert sich daran, dass seine Lehrer zu Schulzeiten wenig Begeisterung für seine Handschrift aufbringen.

 

Jo Lott erzählt in seinem Buch „Der Nachtrugeler“ eine alte Sage aus seiner schwäibschen Heimat.

Aus dem Leben eines Dorf-Punkers

Auch das im Herbst 2017 erschienene „Hurray Hurray Le Quiche!“ hat seine Wurzeln in Arnach. Der Comic erzählt die Geschichte von Bonzo, seines Zeichens Roadie der namensgebenden Band. „Eigentlich wäre er lieber selber Musiker als nur Kabelschlepper“, erläutert der Zeichner. Zu allem Unglück verliebt sich der Protagonist der Coming-of-Age-Story auch noch in die Freundin des Sängers. „Die Rahmenhandlung ist frei erfunden“, schließt Jo Lott allzu dichte Parallelen zu seiner eigenen Biografie aus. „Aber das Setting ist schon von der Band meines Bruders inspieriert“. Viele der Handlungsorte liessen einen echten Arnacher seine Heimatgemeinde durchaus erkennen. „Ich habe für diesen Comic mit einem Kugelschreiber auf normalem Papier gezeichnet und das Ganze dann eingescannt“, erklärt der 28jährige seine Arbeitsweise. Diese Methode passt gut zur rauhen und schepprigen Punk-Thematik des Bandes.

 

 

Seine Begeisterung für Musik lässt der Comicautor immer wieder auch in seiner Arbeit durchscheinen. In der „Hurray Hurray“-Story, in einem Speedpainting-Portrait des deutschen Musikers Gisbert zu Knyphausen – oder in seiner Webcomic-Reihe „Lieblingsalben“. Zwölf der besten Motive versammelt der gleichnamige Postkarten-Kalender, den online-druck.biz produziert hat. Jeder der Kurzcomics besteht aus vier Panels. Das erste Panel zeigt eine gezeichnete Version des Covers zum Album. Drei weitere Panels enthalten lustige Fan-Facts oder persönliche Assoziationen des Autors zum jeweiligen Album. Abgerundet wird das Ganze in der Regel durch eine besonders gelungene Songzeile aus dem Album.

Postkarten-Kalender für Musikliebhaber

Der Postkarten-Kalender wurde auf einem hochwertigen 300 g Design Recyclingkarton gedruckt. Die in schwarz-weiß gehaltenen Zeichnungen kommen auf dem Karton mit der angenehmen Haptik optimal zur Geltung. „Die Karten sind echt superschön geworden“, freut sich der Künstler. Der Kalender war nicht die erste Zusammenarbeit mit unserer ebenfalls schwäbischen Onlinedruckerei. Unser (inzwischen leider ausverkauftes) Notizbuch „Die Fadenspinner“ hat Jo Lott damals mit tollen Illustrationen ausgestattet.

Wer seine eigenen Comics in einem Postkarten-Kalender oder vielleicht in einem Heft veröffentlichen will, wird sicher in unserem Onlineshop fündig. Jo Lott arbeitet derweil unter anderem an einem klassischen Abenteuer-Comic in einer postapokalyptischen Welt – mit einer guten Portion Humor. Bis zur Fertigstellung bieten daber auch seine bis dato veröffentlichten Arbeiten eine erstklassige Inspiration.

Ein ausführliches Interview von Yayacomics mit Jo Lott gibt es hier.

 

Bildquellen:

Johannes Lott

Jajaverlag

Author: Marc Hettich

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